Whistle Buckles

Irgendetwas in mir fühlt sich gerade wohl in Einsamkeit, will Wind und Regen im Gesicht, Schreie im Wald und mehr, viel mehr Natur.

Zwischen den gesammelten Informationen dafür ist mir der Osprey Backpack über die Füße gefallen – und seine eingebaute Warnpfeife im Brustgurtverschluss, gerade für Alleinwandernde. Das begeistert mich. Noch mehr begeistert mich, dass diese Whistle Buckles auch separat und bezahlbar verkauft werden und damit an jeden Backpack mit Brustgurt montiert werden können:

Hier beispielsweise.

Der Morsecode SOS kann als Licht- (auch als Handspiegelreflektion) und Tonsignal übertragen werden und ist international gültig. Ohne Pause zwischen den Einzeltönen: drei kurz, drei lang, drei kurz. Und diese Kombination dreimal hintereinander.

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Minus Cis-IksYpsilon.

Touristisch-idyllische Leinwände der Stadt werden in dem Moment zu einem Problem in dem Diskriminierung gesehen und die Entscheidung gegen sie getroffen wurde.

Berlin hat mich stark politisiert in den letzten zwei Jahren – für mich als eine, die die tiefen Gefühle braucht, waren die sehr aktiven politischen Strukturen in der Stadt ein Ankommen, eine Bestätigung und ein emotionaler Halt. Dieses Berlin ist es, das mir fehlt. Inspiration und Realität an jeder Straßenecke, Unbequemes, lautes Aufbegehren, Verstehen.

Norwegen habe ich in den fünf Wochen in denen ich hier lebe als sanft politisch erlebt, gemächlich in den vorgeblich hohen Lebensstandard gekuschelt, mit einer vielseitigen studentischen Kultur in Bergen, aber sehr zurückhaltend. Was in der Ländergrenze als bewältigt gilt, verdient keine weitere Beachtung.

Politik machen scheint hier ein wenig Fashion Statement zu sein, ganz wie die Eigenart bergischer Bewohner*innen, Sportkleidung in Kombination mit einer Handtasche als Ausdruck der eigenen Fitness im Alltag zu tragen. Ich habe mir die lokalen queeren und Tierrechtsstrukturen angesehen und wurde eher enttäuscht.

Das nimmt mir Kraft und beschränkt das Gefühl, verstanden zu werden. Die Bomben im Kopf, die noch keinen Halt finden auf diesem Boden. Die Ahnung, dass vier Monate nicht ausreichen werden, um neue Strukturen zu schaffen, die langfristig weiter bestehen können.

Die Berliner Politisierung hat nun den unbarmherzigen Nebeneffekt, diese nächsten Monate nicht einfach spurenfrei in einer Starre verbringen zu können, die auch dann nicht unpolitisch sein kann, wenn sie es von sich behauptet. Sie bewirkt, dass Bekanntschaften zerbrechen, in denen reproduzierte Diskriminierungen nicht reflektiert werden wollen, sie bewirkt auch, dass Freundschaften sich verändern, eine Selbstpositionierung Distanz schafft, meine zwischenmenschlichen Beziehungen an Grenzen stoßen. Mir fehlt es an Rückhalt.

You meet me in a very strange time of my life

Vor fast einer Woche bin ich nach einem eindrucksvollen Urlaub von dem ich ein anderes Mal erzählen möchte in Südnorwegen angekommen. Die Zugfahrt von Oslo nach Bergen soll eine der schönsten Strecken der Welt bedienen und ideal sein, um sanft auf Norwegen eingestimmt zu werden. Mit einem entzückenden Zugliebhaber neben mir bin ich also einmal quer durch das Land gefahren, habe die umwerfend schöne Hardangervidda mit ihren Gletschern und Wasserspielen sehr weit oben auf meine Liste der Orte gesetzt, die ich noch einmal genauer entdecken möchte, und festgestellt, dass die Strecke tatsächlich lohnenswert ist – sie einmal zu sehen aber auch genügt.

Nach meiner Ankunft in Bergen habe ich mit zahlreichen kleineren Problemen meine Resilienz auf die Probe gestellt und der Stadt ihre Chance, sich zu zeigen, erst am nächsten Tag gegeben. Ich habe neben meiner Einführungswoche an der UiB die von Varg Vikernes niedergebrannte Stabkirche besucht, ausgiebig im Fjord vor der königlichen Sommerresidenz Gamlehaugen genommen, meinen ersten und den leichtesten der sieben Berge um die Stadt herum erklommen (Fløyen) und viele, viele Begegnungen gewagt.

Über das Projekt

Dieser Blog ist ein Versuch, eine Zeit in meinem Leben einzufangen, in der alles im Wandel ist und kritischer gedacht wird. Eine Zeit in der ich mich gegen den Leistungsdruck meiner Fakultät und für Natur, Literatur und noch mehr Politik entschieden habe. Für Präsenz, mehr Offenheit in meinen Begegnungen und weniger Gnade, für die Suche und Unsicherheit, für das Demaskieren und das Unbequeme, für mehr Tränen und mehr Intensität. Als solcher ist er auf fünf Monate angelegt. Ich kann nicht voraussehen, ob er nach einer Woche aufgegeben oder in einem Jahr noch bestehen wird und auch nicht, wieviel Politik ich am Ende in ihn einfließen lassen möchte und mit dieser Entscheidung für sie auch mehr Entblößung meiner Person.

Hier schreibe ich über das Leben in Südnorwegen, über Veganismus in Berlin, über Feminismus und DIY. Hinter den Zeilen steht eine, die aktuell straight edge lebt, Kleidung und Humor schwarz, ihren Tee aber weiß bevorzugt, Kategorien hinterfragen will und beginnt, sich als queer, nicht in ihrem Sein, sondern im Handeln, zu verstehen. Eine, die sex- und BDSM-positiv ist und das Politische in der Wissenschaft nutzen möchte.

Der Blog soll anderen Veganer*innen in einem Land helfen, das ihnen nicht wohlgesonnen ist. Und er soll mir helfen, dieses Übermaß an Eindrücken zu verarbeiten. Ich habe seit über einem Jahr nichts Literarisches mehr geschrieben und alle bisherigen Beiträge lesen sich für mich furchtbar ungelenk – ich bin gespannt, wie lange es brauchen wird, einen Stil für mich und diese Plattform zu finden.