Ein eigenes (Wohn-)zimmer

Vor wenigen Tagen habe ich die Suche nach einem weiteren Wohnzimmer in der Welt aufgenommen – einem Ort zum Zurückkehren, zur Inspiration und zum Sojachai trinken. Ein eigenes Zimmer, beinahe. Zum Denken, Fokussieren, Pläne schmieden. Zum Teilen mit Freund*innen, die die Bezeichnung partner in crime verdient haben.

2014-09-16_13-16-17_176Dabei bin ich über das Chillout Travel Centre (Torggaten 11) gestolpert, ein winziger Shop für Reiseaffine mit integriertem [immerhin gibt es hier ein minimales veganes Angebot] Café und plüschigen Kissen auf großen Sofas.

Mehr ein Ort der Inspiration denn ein Outdoorladen, mehr Reiseguides und -literatur, Kleinkrusch für aufkommendes Fernweh und Zubehör als Gaskartuschen und Multitools. Manches, das mehr Fashion Statement zu sein scheint (“Indie” Einkaufsumhängetaschen) und Anderes, das ein tolles Geschenk abgeben würde (Hängematten! Eine Scratchmap, die nicht antiimperialistisch gelesen höchst zweifelhaft wäre. Tragetücher.)

Ich fühle mich langsam wirklich wohl in dieser Stadt. Mein Norwegisch wird immer weniger haarsträubend, meine zeitweilige Insomnia ist zurückgekommen als ich meinen letzten Besuch weiterziehen lassen musste und mein Hirn kann die Massen großartiger Texte, mit denen ich mich momentan beschäftige, kaum realisieren. Fabelhafte Tage.

Ein eigenes (Wohn-)zimmer

Ankommen und Weiterziehen

Um mich an einem Ort wirklich zuhause zu fühlen, da kenne ich mich inzwischen gut, braucht es feste Anlaufstellen in einer lauten, inspirierenden Stadt mit lauten – meint für eine Sache brennende –, inspirierende Menschen. Stellen, die etwas Eskapismus sichern, wenn es zu viel und zu unverstanden wird und die dann sind wie der Kaninchenbau ins Wunderland.

Was das für mich in Bergen ist, ist schnell aufgezählt:

Ein wenig Wald, ein wenig Fjord und viel Musik. Eine handvoll Menschen, die mir sehr nahe stehen und entweder in Norwegen leben oder mich besuchen. Genug Flamme, um das Bedürfnis zu haben, weiterzuziehen, Neues zu entdecken und offen zu sein für Gelegenheiten und zufällige Begegnungen.

Ein intellektuelles Zuhause finde ich gerade in einem besonderen Raum an dem Institut an dem meine liebsten Veranstaltungen angeboten werden. Und einen hübschen Blick auf die Stadt gibt es dort auch.

Und im Café im Museum für zeitgenössische Kunst Kode Nr. 2, das gleich neben einem Museumsshop mit der bezaubernden rothaarigen Verkäuferin liegt und, das ist wichtig, Soja Chai, Soja Kaffee und guten Tee hat. Dazu meist gute, dezente Musik und am Nachmittag genug Ruhe zum Schreiben. Rasmus Meyers allé 3, 5015 Bergen. Geöffnet täglich 11-17 Uhr.

Ankommen und Weiterziehen