Rückblick

Ich vermisse das Dielenknarzen unter den Füßen. Tanzen gehen. Politik machen. Konzerten lauschen. Unter Freund*innen sein. Vorträge. Demos. Buchläden. Flohmärkte. Lebkuchen. Essen gehen. Bondage und queere Polyabende. Nähen. Die Ringbahn.

Wieder durch diese Stadt zu streifen in der es soviel Kälte und Desinteresse gibt und so viele Menschen, die genau dem etwas entgegensetzen wollen.

Fünf Monate und viele Eindrücke später dauert es nur noch elfmal schlafen bis zu meiner Rückkehr nach Berlin. Irgendwann im frühen Herbst schrieb ich, dass Norwegens romantische Seite mich in diesem Ausmaß überrascht hat.

Ich bin viel viel weniger gereist als ich wollte aus Angst vor dem Alleinereisen, das bleibt eine Frustration. Ich habe auch viel weniger gelesen als ich wollte und konnte die Nordlichter nicht in die Erinnerung fangen. Auch das frustriert.

Es ist mir gelungen, Menschen von mir fernzuhalten, die mir nicht gut taten. Ich habe stattdessen zahllose andere Erlebnisse im Herzen gesammelt.

Nächtliche Küchentischgespräche bis tief in den Morgen, Waldspaziergänge, Moos unter den Füßen, Growlen im Fahrstuhl, Poi spielen, tote Seesterne im Fjord bestatten, Containern, lachen, viele Tränen zulassen können, auch die ganz alten, bis dahin ungeweinten, politisch diskutieren, viel und heftig streiten, Beziehungen neu formen, weniger englisch oder norwegisch lernen als geplant, dafür mehr wienerisch, dieser wundersame Nachtregenbogen, der mit dem Mädchen in meinen Armen in das ich mich schwer verliebt habe soviel besser war als die Nordlichter, endlich wieder einmal Sterne sehen und Sternschnuppen, mit Lieben kochen, besucht werden, feststellen, dass Minimalismus mir gut tut und Vieles ziehen lassen: Entscheidungen gegen einige Menschen und Dinge treffen, fokussieren, erkennen, was mir tatsächlich etwas bedeutet.

Vertrauen in die eigene Person lernen und zwar unerwartet viel. Weniger Angst haben davor, etwas nicht zu schaffen.

Für mich war die Zeit hier also wertvoll und deutlich prägender als ich es ahnen konnte. Was bleibt ist Spannung: Was wird bleiben? Wie wird die Rückkehr? Was kann ich in meinen Berliner Alltag integrieren? Welche Veränderungen sind notwendig?

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