Less fairy, more goblin

In den letzten drei Monaten habe ich den Versuch unternommen, meinen Kleiderschrank radikal auszumisten und mit weniger als dreißig Teilen auszukommen.

Vor dem Beginn dieses Experiments war klar, dass mir das nicht übermäßig schwer fallen würde: Mich befreit es erfahrungsgemäß, Dinge weiterziehen zu lassen und ich bin mäkelig mit meiner Kleidung (so mäkelig, dass die Herstellung oder der Kauf mich unbefriedigt lassen, ich sie deshalb meist im Laden liegen lasse, dann aus der Not heraus irgendeinen Unsinn kaufen muss und die allermeisten Stücke in meinem Schrank nicht so recht zu mir passen). Aber alles wegschmeißen und neu kaufen, dabei komplett ignorieren, wie privilegiert diese Aktion ist und keinerlei Schlussfolgerungen für künftiges Kaufverhalten ziehen? Nein.

In der Konsequenz bemühe ich mich nun, ein weiteres Mal, herauszufinden, welchen Zweck Kleidung für mich erfüllen soll, mehr zu flicken, sozial bewusster und nachhaltiger zu kaufen, wenn es denn überhaupt sein muss, Kollektive zu unterstützen, mehr selbst herzustellen, mehr Kleidung aus Freeboxen oder Secondhandshops zu bekommen (die aber auch bewusster zu wählen und nicht in einem Kostet-nichts-muss-ich-besitzen-Speichelreflex ungeprüft an mich zu reißen) und zu akzeptieren, dass mein Kleiderschrank unbefriedigend bleiben wird – und aus 27 Teilen besteht, die nicht so recht zu mir passen wollen.

Ganz nach hedgefairys Motto für die Kälte: Less fairy, more goblin. Weil mich keine*r zwingen kann, mich einem Schönheitsideal anzupassen und ich aktuell keine Lust auf künstlich erzeugte Bedürfnisse habe. Weil ich zwar gern lieber nur Dinge in meinem Leben hätte, die mir gefallen, ich mich davon aber nicht unter Kaufdruck setzen lassen möchte.

Less fairy, more goblin

Unpolitisch gibt es nicht

Gleich drei Umzüge standen in diesem Monat an:

Von Norwegen ging es zurück ins ruppige Berlin, von der WG einer meiner Beziehungen für mehr Raum zum Vermissen zurück in meine eigene Wohnung und den Blog habe ich im gleichen Atemzug auch wieder umgesiedelt.

Was bleibt? Rastlosigkeit und Unbehagen. Jede Menge Schlaflosigkeit und Euphorie. Fremdsein in Berlin, ein sehr langsames Ankommen und Sortieren. Viel, viel Drang zu Veränderung.

Es geht wieder los mit der Politik, mit der Suche nach Lohnarbeit und all den Projekten, die ich in Norwegen geplant habe und die jetzt, grausam genug, umgesetzt werden wollen oder als gescheitert anerkannt.

Und dann immer wieder die Feststellung, wie anspruchsvoll diese Wechsel sind. Zurückkommen ist so viel schwieriger als Weggehen. Träume und Ziele in die Realität transportieren, keine Ausreden mehr, das raubt die Nerven.

Was den Blog betrifft…bin ich nachlässig geworden. Das liegt auch daran, dass er mich genervt hat in den letzten Wochen in seiner Bedeutungslosigkeit. Zu viel Selbstpräsentation, zuviel Hipsterunfug, zu wenig Kritik, Politik und Literatur. Zu viel Kitsch und Pathos.

Ob sich das ändern lässt? Mehr Inhalt, mehr queerfeministische Themen, mehr DIY und Politik? Schaumerma, würde meine Oma sagen.

Unpolitisch gibt es nicht