Ever tried. Ever failed. No matter. Try again. Fail again. Fail better.

Ich höre mich immer noch mit leisem Lächeln sagen: „Immerhin keine Migräne. Den Tumor können wir jetzt entfernen lassen und dann ist es vorbei, aber jeden Tag Angst vor Schmerzen haben, das würde ich nicht schaffen.“

Das war bevor ich wieder damit begonnen habe, Fenster mit einem sekundenlangen Blick darauf zu prüfen, ob sie gesichert sind und bevor sie mir mitgeteilt haben, dass es kein Tumor Typ 1 sei (also das, was in den Medien als „gutartiger“ bezeichnet wird und damit gleich wieder auf christliche Schuldkategorien zurückgreift) , dass er immer wiederkommen kann und die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass das auch geschieht und dass er auch andere Stellen meines Gehirns angreifen könnte. „BÄM“ ist ein bisschen 2000er, oder?

Bisher erlebe ich die Chemo- und Strahlentherapie als weniger schlimm als befürchtet, es bleibt eine tiefe, atemlose Angst. Vor dem Haarausfall. Davor, wieder diese Übelkeit zu erleben für die nächsten Monate oder die Kopfschmerzen. Eine diffuse Angst um die gesunden Zellen, die durch die Bestrahlung vernichtet werden. Das Surreale, das einer systematischen Vergiftung anhaftet. Der schmale Grat zwischen Verarbeitung und Weitermachen, ob im eigenen Leben, in meinen zwischenmenschlichen Beziehungen oder im Blog.

Ich freu mich so, so sehr auf unbeschwertere Zeiten. Mit Freund*innen am Fjord sitzen und Rosenlimonade trinken. Tanzen gehen ohne Angst wegen der Sichtfeldeinschränkungen die Menschen neben mir nicht zeitig genug sehen zu können um ihnen auszuweichen, tanzen mit halbgeschlossenen Augen und als würde mich keine* sehen. Auf Politik, wieder kochen können, Reisen, lesen, nähen und meine nicht mononormative, nichtstaatliche, nichtkirchliche Hochzeit im nächsten Jahr. Beckett. Ever tried. Ever failed. No matter. Try again. Fail again. Fail better.

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