Autonomie und Seifenblasen

Ein weiterer, diesmal kleinerer, Umzug wartet auf mich – ich hoffe auf mehr Kommunikation, mehr Verstehen und die Chance, ein wenig mehr vom Traum zu realisieren, auf etwas weniger Schatten und einen Bruch.

Die Feiertage waren so emotional komplex wie erwartet. Gedanken an das möglicherweise letzte Weihnachten und daran, dass das letzte Jahr viel Nervenaufreibendes und wenig Raum für Leichtigkeit ließ. Bei siebzehnkommaeins Monaten durchschnittlichem Überleben ist es schwierig, sich auf ein neues Jahr zu freuen. Ich versuche es dennoch.

Sterben ist nicht schlimm, Perspektivlosigkeit schon, habe ich vor einigen Monaten erfahren und gerade bei Herrndorf bestätigt gefunden. Einige neue, mittelschwere Pläne haben sich wieder gebildet, werden aber kaum umgesetzt. Zwischen apathischer Leere und Dunkelheit verbrennt jede Flamme innerhalb weniger Stunden. Sie sind selten geworden diese Flammen und die Kraft für sie geringer, aber es gibt sie immer noch häufiger als es hier oft scheinen mag. Ich erlebe mich als sehr geerdet gerade, die meiste Zeit jedenfalls, und habe den Eindruck, dass es mir ganz gut gelingt, mit all dem umzugehen. Da ist sehr viel mehr Stärke als ich von mir selbst erwartet hätte, sehr viel mehr Frieden mit der Situation als erhofft. Wenn ich die Beiträge in diesem Blog lese, wirken sie leer und hoffnungslos. Sie übergehen das Brennen zwischen diesen langen, schweren Zeiten und auch die tiefen, überglücklichen Momente. Ich kämpfe auf meine Weise und meist funktioniert das ganz gut. Mir geht es um möglichst autonome Lebensgestaltung, insofern sind auch meine Entscheidungen gegen manche Behandlungsoptionen nicht tragisch, sondern selbstbestimmt und reflektiert.

Wünsche und Vorsätze also. Der erste formt sich direkt beim Aussprechen des Gedankens: So viel vom Erträumten umsetzen, wie es eben möglich ist, ohne Druck. Und dann überhören, was sich immer wieder und überdeutlich zeigt, die Perspektivlosigkeit. Schreiben um der Worte willen, nicht, um das Vergessen abzuwenden. Kleinere Reisen. Häufiger ja sagen und intensiv erleben. Mich nicht durch jede angebotene Therapie quälen, wenn es sich nicht richtig anfühlt. Autonomie, Struktur und das Leuchten in den Augen so gut es geht aufrecht erhalten, nein: schüren. Besuche in Wien und Prag, auf Schneeflocken warten und Seifenblasen gefrieren lassen. Es ist okay gerade, ich wünsch euch ein großartiges Jahr!

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2 Gedanken zu “Autonomie und Seifenblasen

    • zimtkopfliest. schreibt:

      Leider nicht. Ich hatte dennoch meinen Spaß ;) Verdacht: Es müsste noch kälter sein oder ein Berliner Hinterhof ist ungeeignet geschützt und ich sollte es bei einem bitterkalten Ausflug in den Wald noch einmal versuchen. Im Gefrierfach soll es wohl auch funktionieren…

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