Wie verhalte ich mich gegenüber eine*r Krebspatient*in?

Erinnert ihr euch noch an meine Begegnung mit einer älteren Frau, die mich unter der Schwimmbaddusche ungefragt, fürsorglich und höchst irritierend auf einige Leberflecke an meinem Körper angesprochen und mir sehr ans Herz gelegt hat, die einmal untersuchen zu lassen, weil ihr Hautkrebs sich im Frühstadium sehr ähnlich gezeigt hat? Nun abgesehen davon, dass mir die Absurdität der Situation noch sehr bewusst ist bin ich nicht zur Hautärztin gegangen – trotz familiärer Hautkrebshistorie. Vielleicht sind bei einer bestimmten unbenannten Härte einer Krankheit auch einfach nicht mehr alle medizinischen Untersuchungen notwendig und die Zeit, die ich in Wartezimmern vergeude, zu wertvoll.

Die ältere Frau habe ich als sonderliche, aber gute Erinnerung abgespeichert, obwohl ich die Ortswahl immer noch nur bedingt nachvollziehen kann.

Es gibt aber auch Begegnungen und Sätze, die unangenehmer waren als diese. Kommentare zu meinem Körper um die ich nicht gebeten habe stehen da weit oben auf der Liste. Und natürlich das „Dieses oder jenes Ergebnis einer Untersuchung ist doch aber gut, nicht wahr?“ (Nein. Es ist okay oder ambivalent, gut ist es selten, weil die Krankheit mit all ihren Konsequenzen immer da ist.), das „Die Haare wachsen doch wieder…“, „Du kannst doch keine Chemo nehmen!“, das „Du wirst sicherlich gesund, ich hatte das eine Bekannte, die…“ oder ganz weit vorne das „Du musst positiv denken/kämpfen/diese Therapie machen und diese lassen/nicht so verkopft sein/…“

Obwohl ich die Ohnmacht und Sprachlosigkeit hinter diesen Sätzen verstehe, treffen sie mich doch. Ergebnisoffene Kommunikation funktioniert für mich bei dem Thema am besten. „Wie fühlt sich diese Aussage Deines Onkologen/dieses MRT/diese Behandlung an?“, ist ein guter Anfang. Ein „Das überfordert mich gerade/Was brauchst Du gerade?/Was macht das mit Dir?“ ist für mich die angenehmste, respektvollste Art der Nachfrage.

Julia von Weil Du schön bist (nebenbei bemerkt gibt es dort die mit Abstand schönsten Echthaarperücken, die ich bisher gesehen habe, in regelmäßigen Abständen überlege ich, wie ich das Geld dafür zusammenbekommen könnte ;)) hat ein Video gemacht zu manchen Aussagen, die Krebspatient*innen schnell nicht mehr hören können und wollen…ich kann mich darin gut wiederfinden. Deshalb: „Wie geht es Dir, Johanna?“ „Oft ziemlich beschissen gerade, häufig ganz gut. Mir ist gerade wieder häufiger übel und Schwindel, Sehstörungen und Kopfschmerzen kommen wieder häufiger. Ich glaube nicht, dass es der Tumor ist, sondern eher die Narben/Strahlenschäden/Chemo/was auch immer, aber Angst macht es mir schon. Mir ist etwas bang vor dem nächsten MRT aber nicht sehr. Basel beschäftigt mich, viel. Aber es geht, ich bekomm das hin. Danke, dass Du das fragst.“

Hier Julias Video:

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2 Gedanken zu “Wie verhalte ich mich gegenüber eine*r Krebspatient*in?

  1. Eva schreibt:

    Ich finde es ehrlich gesagt schwierig, rauszufinden, ob ich überhaupt was fragen soll oder warten, ob von selbst was kommt ;-)

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    • zimtkopfliest. schreibt:

      Ich glaub, da gibt es wenige Unterschiede zu anderen schwierigen Situationen wie z.B. Trennungen aller Art. In solchen Fällen gebe ich nahezu immer die Antwort, dass die Menschen in meinem näheren Umfeld alles immer fragen können und ich in den letzten anderthalb Jahren noch durch kein einziges Gespräch mehr zu Boden gezogen wurde als die Krankheit es eh macht. Das beschäftigt mich alles eh sehr viel, und eine Frage, die vielleicht schwierig sein könnte, kann ja immer damit eingeleitet werden, ob die Person gerade darüber reden mag oder nicht.

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