You met me in a very strange time of my life #2

Vor einigen Tagen ist irgendetwas mit meinen Synapsen passiert, metaphorisch, nur ein diffuser Funke auf Zunder und plötzlich ein Feuer, das mich so überrascht hat, dass es nicht mehr näher zu benennen war. Sie sagen, Verarbeitung geschehe in Schüben. Einer dieser Schübe hat mich also überrollt, ganz ohne viel Getöse.

Für meine Depression bin ich Expert*in. Auslöser, Funktion, Verlauf, das ist alles sehr bekannt. Die Irritation: Verändert sich die Depression, meine Strategie mit ihr umzugehen oder die Beobachtung?

Wen eines kein Bestandteil meiner Geister ist, dann plötzlicher Aktionismus bevor ich ganz in die depressive Episode falle. Wann immer ich das bewusst versuche rotzt mir die Depression lachend ins Gesicht und wirft sich für die nächsten Wochen ins Bett und starrt stundenlang durch die weiße Raufaser hindurch.

Umso überraschender, dass es diesmal anders war. Nicht Isolation, sondern einen Schutzraum suchen: Herzensmenschen, Tee, meine Dusche, Wien. Kraft atmen und Inspiration, den Fokus verschieben und zulassen, dass mein Körper sich vollsaugt mit Leben. Ein bisschen als wäre ich in eine Badewanne gestiegen, hätte den Kopf für einige Tage unter Wasser gehabt, dabei gegluckst, selten geweint und die Welt da draußen durch eine sichere Trennung beobachtet und am Ende beobachtet wie sich die Lungen wieder mit Luft füllen. Kein Grübeln, keine Apathie, keine Lähmung diesmal.

Es fühlt sich unbekannt an und sehr wertvoll.

 

An irgendeinem Punkt vor wenigen Jahren habe ich verstanden, dass ich mir mit Zeit begegnen muss.

In diesen Tagen und Küchentischgesprächen bis tief in die Nacht habe ich keine Antworten gefunden für all die Fragen, aber Kraft, um die Ungewissheit besser aushalten zu können und neuen Mut zu schöpfen. Besser hätte es nicht laufen können. 2017 ist ein Jahr des Wandels. Gender, Begehren, Bedürfnisse, Prognosen, Projekte, da wurde viel auf den Kopf gestellt.

Eine Erinnerung an mich: Wenn Du sagst, dass Du Zeit für Dich brauchst, sei so konsequent darin wie es gerade geht. Lerne die Wege zu Orten die Du als sicher erlebst, Herzensmenschen, Tee, meine Dusche, Wien. Nur um sie im Fall der Fälle parat zu haben, wenn Du sie gerade suchen möchtest.

 

Welche Orte sind das bei Dir?

Noch ein kleiner Buchtipp, der, auch über Abgrenzung, viel mit meinem Kopf macht:

978-3-89771-140-2

Feministische Psychiatrie Kritik

 

 

Advertisements