Less fairy, more goblin

In den letzten drei Monaten habe ich den Versuch unternommen, meinen Kleiderschrank radikal auszumisten und mit weniger als dreißig Teilen auszukommen.

Vor dem Beginn dieses Experiments war klar, dass mir das nicht übermäßig schwer fallen würde: Mich befreit es erfahrungsgemäß, Dinge weiterziehen zu lassen und ich bin mäkelig mit meiner Kleidung (so mäkelig, dass die Herstellung oder der Kauf mich unbefriedigt lassen, ich sie deshalb meist im Laden liegen lasse, dann aus der Not heraus irgendeinen Unsinn kaufen muss und die allermeisten Stücke in meinem Schrank nicht so recht zu mir passen). Aber alles wegschmeißen und neu kaufen, dabei komplett ignorieren, wie privilegiert diese Aktion ist und keinerlei Schlussfolgerungen für künftiges Kaufverhalten ziehen? Nein.

In der Konsequenz bemühe ich mich nun, ein weiteres Mal, herauszufinden, welchen Zweck Kleidung für mich erfüllen soll, mehr zu flicken, sozial bewusster und nachhaltiger zu kaufen, wenn es denn überhaupt sein muss, Kollektive zu unterstützen, mehr selbst herzustellen, mehr Kleidung aus Freeboxen oder Secondhandshops zu bekommen (die aber auch bewusster zu wählen und nicht in einem Kostet-nichts-muss-ich-besitzen-Speichelreflex ungeprüft an mich zu reißen) und zu akzeptieren, dass mein Kleiderschrank unbefriedigend bleiben wird – und aus 27 Teilen besteht, die nicht so recht zu mir passen wollen.

Ganz nach hedgefairys Motto für die Kälte: Less fairy, more goblin. Weil mich keine*r zwingen kann, mich einem Schönheitsideal anzupassen und ich aktuell keine Lust auf künstlich erzeugte Bedürfnisse habe. Weil ich zwar gern lieber nur Dinge in meinem Leben hätte, die mir gefallen, ich mich davon aber nicht unter Kaufdruck setzen lassen möchte.

Less fairy, more goblin